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13.05.2016

Mit Bravour durchs Gelände

Ein Artikel des Handelsblatts Nr. 082 vom 28.04.2016.

Fuji Heavy Industries Aktienkurs 27.4.2016

Die kleinste Automarke Japans trumpft groß auf. In einer Industrie, in der einstellige Umsatzrenditen Standard sind, erzielte der Subaru-Hersteller Fuji Heavy Industries im vergangenen Quartal 19 Prozent operative Gewinnmarge.

Damit deklassierte der Zwerg sogar den Giganten Toyota, der immerhin zehn Prozent erzielte. Dabei ist Fuji Heavy ein Mittelklassehersteller, der im Jahr nicht einmal eine Million Autos verkauft. Obwohl Experten kleinen Großserienherstellern generell geringe Überlebenschancen einräumen, steht Subaru derzeit bei Analysten hoch im Kurs.

Von 24 Analysten bewerten nach einer Umfrage der "Financial Times" sechs den Subaru-Hersteller als Kauf, acht als Outperformer. Sieben Analysten raten zum Halten. Fuji Heavy "bleibt ein sicherer Hafen im Sturm", urteilt Kurt Sanger, Analyst der Deutschen Securities. Doch woher kommt der Erfolg?

Subarus Stärke lässt sich gut im Hauptwerk in der Präfektur Gunma besichtigen: Das Gebäude wurde seit dem Bau 1960 nicht erweitert, wohl aber die Hallen immer besser genutzt. Roboter heben Bauteile in Pirouetten durch die Luft, Arbeiter bewegen sich teilweise seitwärts, so eng stehen die Maschinen. "Kleiner Platz, hohe Produktivität, das hat uns erlaubt, zu überleben", erklärt ein Manager.

Doch erst seit der Finanzkrise 2008 fährt der Autobauer auf der Überholspur.  Vorher war die Firma alles andere als ein Höhenflieger - trotz seiner Wurzeln.  Fuji Heavy ist Nachfahr des Flugzeugherstellers Nakajima, der nach dem verlorenen Weltkrieg von den US-Besatzern zerschlagen wurde. Zwar entwickelte sich die Automarke Subaru über die Jahrzehnte zum Motor des Konzerns, nicht aber der Gewinne. 1990 musste Fuji Heavy von Nissan gerettet werden. 2005 stieg dann Toyota mit 8,7 Prozent ein.

Nach der Finanzkrise fokussierte sich das Management auf seine Stärken, SUVs und Allradautos. Hohe Profitabilität war das Unternehmensziel. Dazu führte Subaru früh einen Bremsautomaten ein, der im Notfall anstelle des Fahrers in die Eisen tritt.

Der Erfolg ist spektakulär: Für das bis Ende März laufende Bilanzjahr 2015 sagt das Unternehmen einen Umsatz von 3.200 Milliarden Yen (25 Milliarden Euro) voraus, mehr als doppelt so viel wie vor fünf Jahren. Der Aktienkurs explodierte in diesem Zeitraum von etwa 500 auf zuletzt 3.953 Yen.

Die Gründe: Erstens sind die profitablen Offroader weltweit gefragt. Und als Allradspezialist hat Subaru hier eine starke Marke. Zweitens profitierte der Konzern vom Fokus auf den US-Automarkt. In den ersten neun Monaten setzten die Japaner in Nordamerika zwei Drittel ihrer 712.000 Pkws ab. Auch 2017 soll der Zuwachs zweistellig sein.

Aber die Profitabilität dürfte ihren Zenit überschritten haben. Analyst Sanger etwa rät zum "Halten". Er rechnet zwar weiter mit einem hohen Cashflow, befürchtet aber, dass Gewinne und Aktienkurs kaum noch steigen werden. Neben höheren Investitionen und schlechterem Modellmix drückt auch der Yen-Höhenflug auf den Gewinn. Wenn Fuji Heavy am 12. Mai die Jahresbilanz vorlegt, wird sich zeigen, ob Sanger recht hatte.

Subaru steuert bereits gegen. Die US-Produktion wird ausgebaut, der Einfluss des Wechselkurses sinkt. Darüber plant der Konzern auf Dauer alle Modelle auf einer Plattform zu bauen, was die Produktionskosten senken wird. Masataka Kunugimoto von Nomura rät daher mit einem Kurzziel von 5.500 Yen weiterhin zum Kauf. "Wir sehen wenig Risikofaktoren die kommenden drei bis vier Jahre."

Die Frage ist hingegen, wie die Firma den strengen Emissionsrichtlinien gerecht werden will. Subaru setzt in seiner Strategie "Prominence 2020" darauf, bei Hybrid- und Elektroautos unter den Pionieren mitzumischen. Aber mit den Autos verdient bisher kaum einer Geld. Kunugimoto fragt sich deshalb: "Wie sehr kann Fuji Heavy langfristig die bisher niedrigen Gewinnmargen dieser Modelle durch Senkung der Produktionskosten erhöhen?"

Autor: Martin Kölling
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